Marokko

Die Wetterprognose auf Ostern zu ist nicht so prickelnd: kühle Temperaturen und Regenschauer. Ich hoffe dass sich die Vorhersage irrt und es auf Ende Woche zu, noch einen Umschwung gibt.
In solchen Momenten wie diesen, vermisse ich die Terrassen von Marrakesch, auf denen man die das Abendrot der Sonne geniessen kann. Oder wie ich halb sechs Uhr morgens von den Morgengebeten der Imame aus dem Schlaf gerissen werde.
Die Marokkaner habe ich als ein aufgeschlossenes, hilfsbereites und gastfreundliches Volk kennengelernt, jedoch gibt es einen Umschwung, sobald es um das Finanzielle geht. Natürlich beruhen diese Eindrücke auf meinen persönlichen Erlebnissen.
Ursprünglich hatte ich die Reise alleine geplant, es war auch bereits alles gebucht – dann kam S. und fragte ob sie mit kann. Natürlich.

Unsere Route: Marrakesch – Fès – Chefchaouen – Zagora – Marrakesch

* ** ALLGEMEINES***

Sprache: In Marokko wird ein marokkanisches Arabisch gesprochen, die älteren Generationen sprechen kaum Englisch. Bei den jüngeren Personen ist Englisch kein Problem. Aber ansonsten geht Französisch immer.

Währung: Marokkanischer Dirham. 1 CHF = 10 Dirham

Visum: Für Schweizer visumfrei

Kleidung: Die Marokkaner sind wie Männer überall auf der Welt. Natürlich schauen sie Frauen nach, rufen dir Komplimente nach oder anzügliche Blicke. Wir haben uns an den Reiseführer und Empfehlungen von Bloggerinnen gehalten und uns bedeckt gekleidet. Ich meine man kann auch stylisch mit Maxiröcken, Cardigans und Paschminaschals unterwegs sein.

Budget: Das ist eine Sache, die jeder für sich setzten kann. Aber ich habe ca 400 CHF für Essen, Unterkunft, Diesel ausgegeben und zusätzlich 120 CHF für Dinge auf dem Markt. Ich bin in dieser Hinsicht aber eine Budget orientierte Person und versuche mit einem schmalen Geldbetrag durchzukommen.
Das Essen in Marokko ist nicht teuer, ab 50-80 DH (also 5-8 CHF) bekommt man eine grosse Hauptspeise inkl. Getränk.

Autoverleih: Wir hatten bei wanalou gemietet. Es vermietet Autos im Mittelpreis Segment. Aber ich sage: einmal und nie wieder. Die Probleme fangen bereits bei der Übergabe an. Die Autos werden nicht wie vereinbart viertelvoll zu viertelvoll abgegeben, sondern beinahe leer. Unser Wagen ist an den darauffolgenden Tagen nicht angesprungen und die Agentur hat sich stets gegen „teurere“ Reparaturen entschieden, auf unsere Kosten.
Ich musste gar die zweite Reparatur vorschiessen und bekam das Geld beinahe nicht zurückerstattet.
Doch der Spass fängt erst bei der Rückgabe an. Eine Rechnung wurde uns noch gestellt, da angeblich alle vier Einspritzpumpen kontaminiert sind, zu unseren Lasten.
Bucht bei sixt oder europcar. Diese Lehren haben wir auch daraus gezogen. Denn das Theater hält noch bis jetzt an, und ehrlich, wir alle haben Besseres zu tun, als sich wegen Geld in die Haare zu kriegen. Avoid! 

Riads: Wir hatten in fünf verschiedenen Unterkünften übernachtet. Von luxuriös bis zu runtergekommenen Riads. Es war so ziemlich alles dabei. Für Budget affine, welche wirklich nur eine Unterkunft brauchen, kommen daher 5 EUR/Nacht ziemlich gelegen. Dementsprechend ist aber auch die Unterkunft. Bei 25 EUR/Nacht bekommt man schon eine erstklassige Unterkunft mit wunderschönen Innenhöfen ausgestattet. Wir haben alle via Hostelworld gebucht.

Guide Boys: Weist die ab, solange ihr diese nicht braucht. Dies sind die Jungs, die euch anfallen, sobald ihr auf einem grossen Platz steht und ein wenig suchend umherschaut. Wer sich dann von den Jungs durch die Souks zum Riad führen lässt, darf ihnen dann einen anmassenden Betrag zahlen.
So geschehen bei unserer Ankunft in Marrakesch, ehe ich intervenieren konnte, ist S. einem solchen Guide Boy nachgelaufen. 200 DH verlangte er und ich war nach der ganzen Geschichte mit dem Auto bereits genervt, dass ich den Preis runterhandelte. Für 2 Minuten Führung, zahle ich keine 20 CHF.
Tipp: lädt euch die App „maps.me“ runter und installiert die Landkarte, diese funktionieren auch im Offlinemodus inklusive Kompass. Ansonsten: Non merci und charmant lächelnd davonlaufen.

Trinkgeld: 5-10 Dirham sind passend haben uns Einheimische gesagt, aber wie wir sind, haben wir wie in der Schweiz oftmals auf volle Beträge gerundet (dekadente Trinkgelder….), weil wir uns nicht mit dem vielen Kleingeld rumschlagen wollten. Ich hoffe kein Personal aus dem Service liest das und lyncht mich dann beim nächsten Besuch, ha!

Detox: Es ist ein arabisches Land, dementsprechend erhält man in den Restaurants keinen Alkohol. In den touristischen Bereichen schon, aber bei dieser Wärme vergeht einem die Lust auf Alkohol und alkoholfrei tut auch mal gut.

Frauen: Marokko ist eines der liberalsten arabischen Länder. Die Marokkanerinnen arbeiten, laufen teils sehr westlich daher, andere haben die Haare verhüllt. Sie haben gewisse Rechte, aber es ist nach wie vor eine Männerdomäne die dort vorherrscht (korrigiert mich, wenn ich falsch liege!). In den Cafés beträgt die Frauenquote oft Null und wir wurden mit komischen Blicken taxiert, wenn wir uns niederliessen (ohne Kaffee geht gar nichts bei mir). In den Souks sind Männer mehrheitlich an den Verkaufsständen anzutreffen. Selbst als wir mit dem Auto durch Marokko fuhren, sahen wir selten eine Frau hinter dem Steuerrad.
Ich hatte die Chance verpasst mit Marokkanerinnen über ihre Stellung in der Gesellschaft zu diskutieren (Vorteile am Alleine Reisen). Neugierig bin ich bis jetzt noch, dies werde ich beim nächsten Besuch sicherlich noch nachholen.
Aber ich möchte betonen: ich hatte mich in keiner Sekunde abschätzig behandelt gefühlt, weil ich eine Frau bin. Gar nicht.
Betreffend diesem Punkt war ich ein wenig skeptisch, durch den ganzen Terror, den die IS zurzeit über die ganze Welt bringt, hat diese Religion einen schalen Beigeschmack erhalten. Natürlich habe ich, wie so viele andere die Nachrichtendienste gelesen und war mir nicht sicher, was mich erwartet. Viele nennen mir dies als Grund in keinen arabischen Staat einzureisen. Zu gross ist die Angst vor dem „Unbekannten“.
Doch Mut zum Unbekannten: Marokko ist bis jetzt einer meiner wunderbarsten Reisen gewesen und ich werde bald zurückkehren.

Fotos: Sandra S. / Anh N.

Merken

Schreibe einen Kommentar